Die Deklination ist einer der wichtigsten Begriffe der astronomischen Navigation. Die Deklination eines Sterns gibt an, wie hoch der Stern über dem Horizont erscheint, wenn Sie am Nordpol stehen und ihn beobachten. Polaris befindet sich dort nahezu genau über Ihrem Kopf. Die Deklination wird in Grad angegeben und beschreibt den Winkel zwischen Horizont und Stern, wie er vom Nordpol aus gesehen wird.
Hoffentlich können Sie diese Definition anhand der bisherigen Erläuterungen gut nachvollziehen. Meist wird die Deklination anders definiert, obwohl der Zahlenwert derselbe ist. Ich halte die obige Erklärung jedoch für anschaulicher. In den meisten Lehrbüchern wird die Deklination als der Winkel beschrieben, um den sich ein Stern nördlich oder südlich der Ebene des Himmelsäquators befindet. Da Sie am Nordpol senkrecht auf dieser Ebene stehen, entspricht dies genau der Höhe des Sterns über Ihrem Horizont.
Bei Sonne und Mond entspricht ihre Höhe über dem Horizont am Nordpol nicht ganz ihrer Deklination, sondern ist geringfügig kleiner. Der Grund dafür ist, dass Sonne und Mond der Erde wesentlich näher sind als die Sterne. Deshalb macht es einen kleinen Unterschied, ob sie vom Äquator oder vom Nordpol aus beobachtet werden. Der Blickwinkel ist nicht derselbe. Darauf kommen wir später noch zurück.
Die Deklination eines Sterns ändert sich in der Praxis weder von Tag zu Tag noch von Jahr zu Jahr merklich. (Technische Anmerkung anzeigen.)
Streng genommen ist das nicht ganz richtig. Durch die Präzession der Erdachse verschieben sich die Himmelskoordinaten langsam. Die Deklinationen der Sterne ändern sich daher um einige Bogensekunden pro Jahr. Für die astronomische Navigation ist diese Änderung jedoch so klein, dass sie während der Nutzungsdauer eines Nautischen Jahrbuchs vernachlässigt werden kann. Die im Nautischen Jahrbuch angegebenen Werte berücksichtigen diese langsame Änderung bereits.
Nachfolgend sind die Deklinationen (dec) einiger Sterne dargestellt.
Eine nördliche Deklination bedeutet, dass sich der Stern nördlich der Ebene des Himmelsäquators befindet (N), eine südliche Deklination (S) entsprechend südlich davon. Alnilam liegt tatsächlich 1° südlich des Himmelsäquators. Das bedeutet, dass der Stern vom Nordpol aus theoretisch knapp unter dem Horizont stehen müsste. Durch die atmosphärische Refraktion kann man jedoch ein kleines Stück unter den geometrischen Horizont sehen. Deshalb sollte Alnilam selbst vom Nordpol aus noch sichtbar sein. Falls Sie jemals dorthin kommen, schicken Sie mir bitte eine Nachricht und sagen Sie mir, ob ich mich geirrt habe.
Suhail und Diphda sind dagegen Beispiele für Sterne, die vom Nordpol aus nicht sichtbar sind. Beachten Sie außerdem, dass der Substernpunkt eines Sterns auf der Erdoberfläche stets auf derselben geografischen Breite liegt wie seine Deklination.
Hamburg VII 2026