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Bis vor wenigen Jahrzehnten bestimmten praktisch alle Schiffe auf hoher See ihre Position mithilfe der Sterne, der Sonne und der Planeten. Ein Kompass und das Log – der Geschwindigkeitsmesser eines Schiffes – reichen nicht mehr aus, sobald die Entfernung zu markanten Küstenpunkten groß genug wird.
Das Grundprinzip der Astronavigation ist einfach. In Lehrbüchern wird es jedoch häufig mit so vielen Einzelheiten und neuen Fachbegriffen beschrieben, dass kaum noch verständlich ist, was eigentlich geschieht. In diesem Text wird die Positionsbestimmung mit Gestirnen auf eine leichter verständliche Weise erklärt.
Der Navigator steigt in der Abenddämmerung an Deck. Die Sonne ist gerade untergegangen, und die ersten Sterne sind bereits mit bloßem Auge sichtbar. Mit einem Sextanten, der mit einer Uhr ausgestattet ist, misst er die Höhe zweier zuvor ausgewählter Sterne über dem Horizont. Im selben Augenblick drückt er den Knopf der Uhr am Sextanten. Dadurch wird der genaue Zeitpunkt der Beobachtung festgehalten. Später muss diese Zeit noch mit dem Chronometer des Schiffes verglichen werden, das genauer geht als die Uhr am Sextanten.
Anschließend berücksichtigt der Navigator am Kartentisch die Abweichung zwischen der Uhr des Sextanten und dem Chronometer, den Instrumentenfehler des Sextanten, die Höhe des Beobachtungspunktes über dem Meeresspiegel sowie die atmosphärische Lichtbrechung und berechnet daraus die wahre Höhe der Sterne über dem Horizont.
Für die nächsten Berechnungsschritte benötigt der Navigator eine geschätzte aktuelle Position des Schiffes mit einer Genauigkeit von etwa 60 Seemeilen. Selbst wenn die Schätzung ungenauer wäre, bliebe der daraus entstehende Fehler noch verhältnismäßig klein.
Mithilfe zweier Nachschlagewerke – des Nautischen Almanachs und der Sight Reduction Tables – berechnet der Navigator die Punkte auf der Erdoberfläche, über denen sich die beobachteten Sterne im Moment der Messung befinden. Diese Punkte werden geografische Positionen oder Projektionspunkte genannt. Anschließend berechnet er die Richtung von der geschätzten Schiffsposition zum Projektionspunkt des ersten Sterns und zeichnet diese Richtung in die Seekarte ein. Aus der gemessenen Sternhöhe berechnet er den Abstand des Schiffes vom Projektionspunkt und zeichnet an der entsprechenden Stelle eine dazu senkrechte Linie ein. Diese wird Standlinie genannt. Die tatsächliche Position des Schiffes liegt irgendwo auf dieser Linie. Danach wiederholt er den Vorgang für einen zweiten Stern. Der Schnittpunkt der beiden Standlinien ergibt die aus den Sternbeobachtungen bestimmte Position des Schiffes.
Falls Ihnen die vorherige Beschreibung wie Kauderwelsch vorkam und Sie genauer verstehen möchten, was dabei eigentlich passiert, dann ist der Rest dieses Textes genau für Sie geschrieben.
Hamburg VII 2026